Norwich Rüße in Saerbeck

Bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarfabriken

 Sachliche Diskussion auf Augenhöhe

Er ackert für NRW im Landtag und auf der eigenen Scholle. Norwich Rüße , Bio-Bauer und agrarpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion stellte in dieser Woche grüne Positionen für eine bäuerliche Landwirtschaft auf einer Veranstaltung im Hotel Dahms Hoff vor. Begleitet wurde Norwich Rüße von Silke Friedrichs die als Direktkandidatin der Grünen auch in Saerbeck kandidiert und die Gelegenheit nutzte, sich vorzustellen. Auch Silke Friedrichs ist als Ökotrophologin , die zur Zeit an der Fachhochschule in Münster arbeitet, fachlich mit den Fragen und Problemen der Lebensmittelproduktion eng vertraut.

 

Zum Veranstaltungsthema „Bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarfabriken“ referierte Norwich Rüße über die strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft mit der hohen Spezialisierung, Monokulturen, Entfremdung der Arbeit, dem steigenden Kapitaleinsatz und dem Zwang zum ständigen Wachstum, mit der Folge eines stetigen Sterbens kleinerer Betriebe.

Aber die Grenzen des Wachstums sind erreicht „ sagte Rüße und verwies auf die Akzeptanzprobleme bei den Verbrauchern, wenn die Landwirtschaft weiterhin industrielle Produktionsmethoden ausweitet.

In der sachlichen Diskussion zwischen Rüße und den anwesenden örtlichen Landwirten wie u.a. auch Heino Gerling, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins und Manfred Stallfort als Sprecher der Saerbecker Biogasproduzenten, wurden die Zwänge des Marktes und der Preisdruck durch die großen Lebensmittelketten, Großmolkereien und Schlachthäuser deutlich und kritisch gesehen.

Durch eine gezielte Steuerung der Fördermittel für die Landwirtschaft möchte Norwich Rüße daher besonders die Marktchancen kleiner Betriebe verbessern.

Gütesiegel und Qualitätsnachweise sollen die Vermarktung regionaler, bäuerlich erzeugte Produkte unterstützten und dem Verbraucher helfen, bäuerliche Produkte von Massentierhaltung zu unterscheiden.

Die Gesellschaft müsse allerdings auch bereit sein, für gute Lebensmittel und artgerechte Tierhaltung angemessene Preise zu zahlen. Mit einem Anteil von 11 % an den Lebenshaltungskosten seien Nahrungsmittel einfach zu billig.

Über eine rot- grüne Landespolitik könnten auch gesetzliche Änderungen im Genehmigungsrecht auf Bundesebene erreicht werden, um den Bau von Großmastanlagen einzuschränken.

Norwich Rüße forderte eine ethische Orientierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion. Ein großes Anliegen ist ihm die Beseitigung skandalöser Arbeitsbedingungen auf Großschlachthöfen für Mensch und Tier. Es dürfe nicht sein, dass durch Akkordarbeit, mit mangelnder Qualifikation und Niedriglöhnen ein großer Teil der Tiere lebend in den Verarbeitungsprozesse gelangen.

Er kritisierte den hohen Einsatz von Antibiotika, insbesondere in der Geflügelmast, der erstmalig aufgrund seiner Anfrage im Landtag wissenschaftlich in NRW untersucht wurde und zu erschreckenden Ergebnissen geführt habe.

Zu den Erfolgen der agrarpolitischen Arbeit der rot-grünen Landespolitik zählte Norwich Rüße u.a. die Förderung des Ackerbaus, der Fruchtfolge und des Anbaus von eiweißreichen Pflanzen als Ersatz für Sojaimporte.

Im aktuellen Streit um die geplanten Änderungen im Jagdrecht will sich Norwich Rüße auf einer Veranstaltung in Sinnigen am 9.5. der Kritik der Jäger stellen.

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