Leserbriefdiskussion zur Energiewende

Am 19.11.2010 erschien ein Leserbrief der Ratsfrau Mechthild Lüggert zur lokalen Strategie Saerbecks gegen den Klimawandel. Diesen wollen wir nicht unbeantwortet lassen und veröffentlichen hier den Text von Frau Lüggert und eine Antwort vom GRÜNEN FRaktionsvorsitzenden Herbert Breidenbach.

Leserbrief von Frau Mechthild Lüggert ( Fraktionsvorsitzende der UWG Saerbeck ) in den „Westfälischen Nachrichten“ vom 19.11.2010

„Energiewende sieht anders aus“

Zum WN- Bericht „Sonne sorgt für Dividende“ vom 17. November:

„Die Überschrift des Berichts suggeriert, durch kostenlosen Sonnenschein ‚werde mit Photovoltaikanlagen Geld verdient. Diese Sichtweise ist meines Erachtens sehr verkürzt. Wie im Bericht zutreffend dargestellt ist, beruht die Dividende der Investoren der Bürgergenossenschaft auf der von der RWE zu zahlenden Einspei severgütung, die um ein Vielfaches über dem durchschnittlichen Einkaufspreis für elektrische Energie liegt. Die Mehrkosten dafür findet der Saerbecker Stromkunde auf seiner unlängst verschickten Jahresrechnung des Energieversorgers wieder. Nicht die Sonne, sondern die Stromkunden sorgen für die Dividende der Investoren. Na gut, sagt sich mancher: Dadurch werden schließlich klimaschädliche fossile Brennstoffe oder Kernenergie ersetzt. Aber auch diese Ansicht springt zu kurz. Ein Beispiel: Die nun installierte Anlage mit einer Nennleistung von 130 Kilowatt erzeugt im Jahr gerade soviel Energie wie das Kohlekraftwerk in Ibbenbüren in fünfzehn Minuten. Würden noch weitere drei Photovoltaikanlagen errichtet werden, ersetzen diese gerade einmal eine Stunde Stromproduktion in Ibbenbüren. Ein Beitrag zur Energiewende sieht anders aus.“

Hier die Antwort von Herbert Breidenbach

Doch, Frau Lüggert , genau so sieht die Energiewende aus. Nicht einzelne Großkraftwerke, sondern sehr viele verschiedene kleine Kraftwerke werden in Zukunft unsere Energie liefern. Dabei wird Photovoltaik ein wichtiger, aber nicht einziger Baustein im Energiemix sein. Die Potentiale des Solarstroms liegen in der Summe von Hunderttausenden Photovoltaikanlagen auf bestehenden Dächern. Der Vergleich einer einzelnen Photovoltaikanlage mit dem Kraftwerk Ibbenbüren ist daher völlig abwegig. Jede einzelne Anlage ist ein Baustein für die notwendige Umstellung unserer Energieversorgung. Die Strommenge, die in Deutschland durch Photovoltaik erzeugt wird ist in den letzen 10 Jahren um das 100-fache gestiegen ( auf ca. 1 % der Stromerzeugung). Gleichzeitig gab es in dieser Zeit eine rasante Entwicklung im Wirkungsgrad von Photovoltaikanlagen. Durch die zunehmende Massenproduktion wurden die Herstellungskosten deutlich gesenkt und Tausende Arbeitsplätze geschaffen.

Diese positive Markteinführung einer Zukunftstechnologie war nur möglich durch die gesicherte Stromabnahme und langfristig gesicherte Abnahmepreise des Solarstroms. Sie haben natürlich Recht, dass diese Förderung von den Stromkunden finanziert wurde und wird. Sie haben allerdings nicht erwähnt, dass auch in den Kohlebergbau und die Atomindustrie Milliarden an Steuermitteln gepumpt wurden (z.B Ewigkeitskosten beim Kohlebergbau , Forschungsbergwerke für Atomendlager usw.). Nach einer Greenpeace-Studie sind in die Kohlegewinnung zwischen 1950 und 2008 ca. 350 Milliarden Euro an staatlichen Förderungen geflossen. Ähnliche Förderungen von ca. 250 Milliarden wurden im gleichen Zeitraum für die atomare Stromerzeugung vom Steuerzahler aufgebracht . Legt man die Zahlen von Greenpeace zugrunde, wird jede Kilowattstunde Atomstrom mit 4,3 Cent subventioniert, rechnet man noch die wirtschaftlichen Vorteile hinzu, die Atomkonzerne durch staatliche Übernahmen von Haftpflichtrisiken haben, erhöht sich dies um weitere 2,7 Cent. Damit liegt die Subventionierung bis zum heutigen Tage weit über allen Subventionen, die für erneuerbare Energien geleistet werden. Selbst wenn man bei derartigen Studien über Berechnungsmodelle streiten kann, so steht doch außer Frage, dass eben auch die herkömmlichen Energieträger massiv staatlich gefördert wurden. Bei der Solarförderung handelt es sich daher auch um einen Wettbewerbsausgleich auf dem insgesamt hochsubventionierten Energiemarkt. Wir finden es besser, dass Saerbecker Bürger von der Förderung einer umweltfreundlichen Technologie profitieren, als dass Energiekonzerne auch mit Steuermitteln ihre Milliardengewinne aus Atom- und Kohlestrom weiter maximieren.

Außerdem wirkt der Solarstrom nicht nur kostensteigernd, sondern führt nachweislich auch zu einer Senkung der Einkaufspreise an den Strombörsen, wenn durch Solarstrom die Spitzenlastpreise gedrückt werden. Leider geben viele Stromversorger zwar gerne die Erhöhung der Umlage für erneuerbare Energien an die Endkunden weiter, streichen die Einsparungen durch verminderte Einkaufskosten aber als Gewinne ein.

Die Diskussion um Energiepreise- und Energienutzung geht aber über wirtschaftliche Betrachtungen hinaus. Wir stehen in der Verantwortung jetzt Weichen für eine nachhaltige, klimaschonende Energieversorgung für die nächsten Generationen zu stellen. Dazu brauchen wir eine schnelle Energiewende mit verschiedenen Technologien. Jedes Solarmodul ist dabei ein Schritt in die Zukunft.

 

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